Licht und Schatten in der Pflanzenpflege

Heute führe ich dich in ein All-you-can-eat Restaurant aus. Natürlich nur in unserer Vorstellung. :p

Stell dir also vor wir sind in einem Restaurant-Tempel und es gibt ein reich gedecktes Buffet. Die Auswahl an Speisen ist so auf deinen Appetit abgestimmt, sodass dir schon das Wasser im Mund zusammenläuft, wenn du nur daran denkst. Du riechst es schon von weitem und die jetzige Mahlzeit ist die einzige, von der du deinen ganzen Tagesbedarf decken kannst.

Das Buffet ist am anderen Ende von diesem riesigen Laden und weil das Restaurant so mega voll ist, bekommst du nur einen kurzen Slot zum Essen. In 10 Minuten kannst du das Essen holen und genießen. Wenn du dann nicht satt bist: dein Problem.

Wie fühlt sich das an? Nicht so schön oder? Wie sollst du in der kurzen Zeit alle Nährstoffe für den gesamten Tag aufnehmen? Du könntest vermutlich nur einen Apfel noch schnell auf dem Weg zurück zum Platz naschen, bevor die Zeit abgelaufen ist.

Das tägliche Sonnenlicht ist für Pflanzen das, was für dich ein Restaurantbesuch ist. Sie beziehen aus dem Sonnenlicht ihre ganze Energie. Und so wie du ohne Essen auf Dauer nicht überleben kannst, können sie es auch nicht. Plus: Wenn du als erwachsene Person immer nur eine Kinderration isst, wirst du eher ab- als zunehmen. Und du möchtest von deiner Pflanze vermutlich mehr haben, als von irgendwelchem Bauchspeck. :p

Der Mythos von der indirekten Sonne
Oft steht in den Pflegehinweisen “indirektes Sonnenlicht”. Das wird von vielen so gedeutet, dass die Pflanze eine Schattenpflanze ist. “Indirektes Sonnenlicht” bedeutet aber nicht, dass diese Pflanze in einem Bad ohne Fenster wächst.

Was bedeutet “indirektes Sonnenlicht”dann? Dazu können wir uns mal anschauen, was direktes Sonnenlicht bedeutet: Das trifft zu, wenn eine Pflanzen draußen für mehrere Stunden (ca. 5 bis 6 h) direktem Sonnenlicht ausgesetzt ist.
Auf Zimmerpflanzen in deiner Wohnung dürfte das kaum zutreffen. Am ehesten werden ähnliche Bedingungen noch an einem Südfenster erreicht.
“Indirektes Sonnenlicht” bedeutet also zumeist schon, wenn sich die Pflanze innerhalb deiner Wohnung befindet und durch die Zimmerdecke geschützt ist. Natürlich gibt es auch Tageszeiten zu denen die Pflanze direktem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Aber nochmal: das ist innerhalb von Wohnungen in der Masse eher die Ausnahme.

Mithilfe der Photosynthese und dem dafür notwendigen Sonnenlicht kann die Pflanze energiearme anorganische Stoffe (CO2 und H2O) in energiereiche organische Verbindungen (Kohlenhydrate) umbauen.

Wenn du dich also fragst:
Mit wie viel Licht kommen meine Pflanzen aus und können immer noch glücklich sein.

Dann ist das in ungefähr so, als wenn du dich fragst:
Wie viel Essen muss ich meinem Hund geben, damit er am Leben bleibt.

Nun möchte ich dir die Frage beantworten, auf was du dich denn bei der Standortwahl verlassen kannst – und was nicht:

Die Entfernung zum Fenster ist aus meiner Sicht kein guter Richtwert. Fenster sind unterschiedlich groß und andere Faktoren, wie die Farbe der Wände, Spiegel an der Wand und die Art der Pflanze spielen ebenfalls eine Rolle.

Steht eine Pflanze mitten im Zimmer, kannst du pro Meter vom Fenster etwa 1.000 Lux abziehen.

Du kannst auch mit einem Lichstärkemessgerät die Lichtstärke messen. Dann gehst du auf Nummer sicher. Das absolute Minimum für eine Pflanze sind 1.000 Lux. Für ein gutes Wachstum der Pflanze (siehe Vergleich mit dem Hund 😉 ) würde ich aber deutlich mehr ansetzen.

Zum Vergleich:
Die Sommersonne strahlt bis zu 100.000 Lux auf deine Pflanzen. Selbst an einem bedeckten Tag sind es noch etwa 20.000 Lux. An einem bedeckten Wintertag sind es nur noch 3.500 Lux. Für unsere Zimmerpflanzen stehen im Winter bestenfalls 2.000 Lux zur Verfügung – wenn der Himmel wolkenfrei ist und sie ihn zu Gesicht bekommt.

Es geht aber auch einfacher:
Wenn du mit dem Topf durch die Wohnung streifst und dich fragst: “Wo stell ich nur wieder dieses tolle grüne Exemplar von einer Pflanze hin?”, dann ist die Antwort so einfach wie trivial.

Schaue von welchem Standort sie so viel wie möglich Himmel zu Gesicht bekommt. Je mehr Himmel sie sieht, desto häufiger kann sie ins Restaurant gehen, um Energie für ihr Wachstum zu tanken.
Sie nimmt so deutlich mehr Licht auf und das über einen längeren Zeitraum.

Selbst an einem Nordfenster wird viel Licht durch den Himmel reflektiert und sie bekommt eine gute Lichtausbeute.

Pflanzen sind Lebewesen und keine Einrichtungsgegenstände. Und so sollten wir sie auch behandeln. Nicht nach der Idee, wie viel sie mindestens brauchen, sondern nach der Vorstellung ihnen ein angenehmes Leben mit viel Wachstum zu ermöglichen.

Wenn du das verstanden hast, dann steht dem Wachstum deiner Schützlinge nichts im Weg.